Heiko Mattausch

Sgraffito – Die verborgene Zeichnung

Herkunft und Technik des Sgraffitos

Die Ursprünge des Sgraffitos liegen im Italien des 15. Jahrhunderts, wo es als Dekorationsverfahren von Wänden zur Anwendung kam. Von dort gelangte es über Oberitalien in die Schweiz, nach Österreich und Deutschland. Die Innenhoffassaden des Residenzschlosses in Dresden sind z.B. in Sgraffitotechnik ausgeführt. 

Das Sgraffito (italienisch graffiare = kratzen) ist im Grunde genommen keine Maltechnik, gehört jedoch wie Freskomalerei zu den klassischen Freskotechniken, bei denen frischer Kalkputz im Dienste einer künstlerischen Idee bearbeitet wird. Das Thema der Freskomalerei hatte ich bereits in meinem Beitrag zur Seccomalerei touchiert. In einem noch folgenden dritten Teil werde ich gesondert darauf eingehen.

Traditionell werden zwei unterschiedlich farbige Putze aufgetragen: Ein dunkler Grundputz (intonaco scuro) und ein heller Oberputz (intonaco chiaro). Aus der oberen Schicht werden solange Flächen und Konturen herausgekratzt, bis sie das darunterliegende Motiv freigeben. Mehrfarbige Sgraffiti sind gleichwohl möglich, doch aufwändiger. 

Sgraffito im deutschsprachigen Raum

Noch heute finden sich zahlreiche Beispiele insbesondere aus der Nachkriegszeit, wie z.B. Fassaden von Wohnbauten die der Döbelner Maler und Grafiker Walter Eckhard in seinem Wirkungskreis gestaltete (1). An vielen öffentlichen Gebäuden im gesamten ehemaligen Arbeiter- und Bauernstaat begegnet man Wandgestaltungen. Neben Mosaiken, bspw. an der Außenfassade des Cafés Moskau in Berlin, war das Sgraffito weit verbreitet.

Ich erinnere mich heute, daß mir als Kind in der DDR neben der mitunter politischen Einfärbung die Gestaltungsweise, genauer die groben Formen der Sgraffito-Figuren, unangenehm auffielen. Ich wunderte mich immer, warum diese nicht richtig durchgestaltet waren. Heute weiß ich, daß an dieser Stelle witterungsbedingte Materialgründe ihr Veto einlegten und erkenne die Meisterhaftigkeit des Künstlers in der auf das Wesentlichste reduzierten stilisierten Form. Sgraffiti im Außenraum müssen wetterbeständig, dabei vor allem frostresistent sein. Daher führte man jene Motive flächig mit kräftigen Konturen aus. Feine Linien geschnitten in hauchdünne Kalktünchen, wie man sie in italienischen Interieurs anwendet, würden von dauernden deutschen Frösten abgesprengt werden.

Viele dieser Zeugen einer vergangenen Epoche sind, sofern sie nicht erbarmungslos zu Tode saniert oder von unkultivierter Sprayerhand überdeckt wurden, bis heute sichtbar. Mit dem Aufkommen moderner Bautechnologien, Kostendruck und immer billiger werdenden, schnellen Gestaltungsverfahren, verschwanden Freskomalereien und Sgraffitoarbeiten, die immer einen Bezug zur Architektur haben, ab den 1960er-Jahren weitgehend aus der zeitgenössischen Kunst.

Annäherung an eine verlorene Technik, mein erstes Sgraffito

Aus pragmatischen Gründen wählte ich mein Logo als mein erstes Motiv für ein Sgraffito im Stile der Italiener. Als Träger diente ein schmaler Reststreifen jener Platten, die ich für Freskotechniken vorbereitet hatte. Im vorliegenden Fall ist mein zweites Sgraffito dokumentiert, ebenfalls mein Logo, das ich auf einer deutlich größeren Platte ausführte.

Auf das mit Pigmenten Einfärben der ersten Schicht verzichtete ich völlig. Ich nutzte den natürlichen Farbklang schwarzen Basaltsandes. Diese Schicht ließ ich anziehen, scheibte sie ab und trug danach die helle Deckschicht, bestehend aus Marmorgries und Quarzsand, auf. Nachdem diese ebenfalls angezogen hatte, glättete ich sie und kratzte Stück für Stück das Motiv heraus.

(1) Diese und weitere sind auf der Seite sachsen.museum-digital.de veröffentlicht. Das Originalfoto wird im Stadtmuseum Döbeln in Sachsen aufbewahrt.

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