Die Brücke Trepponti in Comacchio
Meine hier vorliegende Arbeit behandelt die sogenannte Trepponti di Comacchio. Wörtlich übersetzt bedeutet der Name „Drei Brücken von Comacchio“ und bezeichnet ein einziges Brückenbauwerk. Bizarrerweise werden damit nicht drei, sondern fünf Kanäle an ihrem Knotenpunkt überbrückt. Fünf Treppenläufe führen darüber. Ich habe sie in Aquarellfarben und später noch einmal in Öl als Melancholie in Comacchio gemalt.
Die Brücke, deren Namen eigentlich Pallotta-Brücke lautet, ist die bekannteste in Comacchio. Sie wurde im 17. Jahrhundert auf Geheiß des Kardinalslegaten Giovanni B. M. Pallotta errichtet. Architekt war der aus Ravenna stammende Luca Danese. Das Bauwerk diente zugleich als Befestigung der von zahlreichen Kanälen durchzogenen Stadt. Mich interessierte das Denkmal – wie so oft – weniger aus architektonischer als aus malerischer Perspektive. Das erdige Rot schmaler italienischer Brandsteine und das helle Plateau aus istrischem Naturstein bildeten einen Kontrast, den mein Malerauge sofort erfaßte.
Wir kamen relativ unbedarft nach Comacchio. Unsere Route führte uns vom Gardasee über Mantua. Auf dem Weg nach Süden machten wir einen Schlenker nach Osten an die Küste des Adriatischen Meeres, die im Allgemeinen als Adria bekannt ist. Venedig lag nahe des Weges. Da es uns dort zu turbulent schien, suchten wir nach einem ruhigeren Zwischenhalt.
Ferrara passierten wir ohne anzuhalten aufgrund der omnipräsenten Parkplatzkriminalität in Italien. Wir hielten uns bevorzugt in kleineren Orten auf, die weniger touristisch überlaufen und nach unserer Einschätzung weniger im Zusammenhang mit räuberischen Aktivitäten standen. Daß Comacchio sich als architektonisches Juwel ersten Ranges erweisen würde, war uns zu diesem Zeitpunkt nicht bewußt. Die Stadt liegt in einem der schönsten Lagunenareale Italiens, inmitten des Podeltas – ein Name, der mir vage aus den Geographie- und Geschichtsstunden meiner Schulzeit vertraut war. Die Region gilt seit jeher als eine der fruchtbarsten Landschaften des Landes.
In der Nähe von Mantua verbrachten wir einige Nächte bei Claudio auf einer ehemaligen Obstplantage, die seit Generationen im Familienbesitz war und nun ausschließlich touristisch betrieben wurde. Sein bruchstückhaftes Englisch ergänzten wir mit unserem Anfänger-Italienisch. Auf diese Weise entstanden regelmäßige Konversationen, die von gegenseitiger Sympathie getragen waren.
Die Valli di Comacchio, die „Täler von Comacchio“, stehen sinnbildlich für eine außerordentliche Vielfalt an Flora und Fauna: ein weitläufiges Fischfanggebiet und ein einzigartiges Vogelvorkommen, darunter Flamingos, die ich bislang nur aus dem Vorspann von Miami Vice kannte und dort nie zu Gesicht bekam. Von all dem erfuhr ich allerdings erst später. Unser Aufenthalt blieb ein urban geprägter.
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