Vita
Shortened English version below
Malerei seit früher Jugend
Michelangelo, Tiepolo, Knoller – das sind Künstler, deren Bildern ich mit glücklichen Augen begegne. Mit Blick auf diese Meister längst vergangener Zeiten und dem ständigen Bestreben nach künstlerischer Vollendung, sehe ich mich insbesondere dem Kanon von Antike, Renaissance und Barock verpflichtet. Da ich die Zeichnung als Grundlage aller bildschöpferischen Prozesse verstehe, sehe ich sie als die Essenz meiner Arbeit. Erste vage Ideen entstehen in meinen Skizzenbüchern, genauere Formulierungen als Rötelzeichnung. Diese sind der Ausgangspunkt meiner szenischen Kompositionen.
Vielleicht prägten mich mein Architekturstudium Mitte bis Ende der neunziger Jahre und später sowohl mein Spanischstudium als auch die Aufenthalte in Spanien. Doch konnten jene Haken, die ich während der frühen Jahre meines Lebens schlug, nicht meinen inneren Kompass verstellen, der seit meiner Kindheit einen anderen, für mich unausweichlichen Kurs vorgab.
Ich kann mich an nichts anderes erinnern, als daß in mir von Anfang an eine Flamme für die Malerei wild um sich schlug. Als junger Architekturstudent streifte ich Mitte der neunziger Jahre wöchentlich durchs Museum der bildenden Künste in Leipzig, damals noch im ehemaligen Reichsgerichtsgebäude. Während meines lästigen Baustudiums besaß ich eine Jahreskarte fürs Bildermuseum. Meine zu jener Zeit noch junge und überschaubare Bibliothek beherbergte längst mehr Bücher über Malerei als architekturspezifische Fachliteratur. Letzteres lieh ich, erstes kaufte ich. Wenn immer möglich, ließ ich mich von befreundeten Kommilitonen in die Listen der Lehrveranstaltungen eintragen um ihnen fernbleiben zu können. Für kostspielige Materialien eines Architekturstudiums mangelte es mir nicht an Geiz, wohingegen ich mein elternliches Taschengeld leidenschaftlich gern für Farben, Pinsel und Malgründe ausgab. Neben meiner tagtäglich genutzten Staffelei stand ein riesiges verwaistes Zeichenbrett. Reißschiene und Tuschestifte kamen üblicherweise erst in den Nächten vor Abgabe der Entwürfe zum Einsatz. Und schließlich trieb mich eine weitere Leidenschaft, die bis heute nicht von mir ablassen will: Die für asiatische Kampfkünste. Zwischen Studium und Malerei sorgte ich für ausreichenden Raum, den ich mit Kampfsporttraining füllte. Die Kapazitäten schuf ich, indem ich die Stunden fürs Studium ein weiteres Mal reduzierte. Auch dem ausufernden Studentenleben fröhnte ich nicht so hingebungsvoll, wie ich es hätte können. Der Drang hin zum Malen oder fürs Training waren vordergründiger.
Damals gab es in den Ecken und Passagen der Leipziger Altstadt noch zahlreiche Antiquitätenläden, die heute nicht mehr existieren. Auf meinem Weg vom Hauptbahnhof zur Straßenbahn – die Haltestelle befindet sich direkt vorm Haupteingang – nahm ich den Umweg dahin in Kauf, um mir immer wieder Bilder in deren Auslagen anzusehen. Ich erfreute mich lange Zeit an der pastosen Leuchtkraft eines Ölbildes eines mir unbekannten Malers des frühen zwanzigsten Jahrhunderts. So etwas mit meinen Händen entstehen lassen, danach stand mir der Sinn. Bei meinem ersten Besuch im Bildermuseum passierte ich ein bisschen desinteressiert den berühmten Leipziger Max Klinger und weitere vorzügliche Sammlungsbestände des Museums. Bei Liebermann und Corinth drosselte ich den eiligen Lauf meiner Beine. Genüsslich stillte ich den Hunger meiner Augen. Nach längerer Verweildauer drängte ich mich loszureißen. Ich war noch nicht durch alle Räume gedrungen und landete schließlich in einem der letzten, einem kleinen dunklen Raum. Schon als ich durch den Türrahmen schritt, sah ich ein kleines Bild Sighard Gilles, das mir ungewöhnlich schien und noch im Annähern meine Augen erneut verweilen ließen. Meine Augen forschten freudig, wurden sie schließlich gedrängt von der Geschwindigkeit meiner Schritte. Ich drehte mich zur gegenüberliegenden Wand und sah die zweite Version des Heisig-Bildes Jesus verweigert den Gehorsam zum ersten Mal. Ab diesem Zeitpunkt war es vollends um mich geschehen. Meine Aufregung konnte ich kaum kontrollieren. Seitdem waren Heisig, Tübke, Peuker, Gille und Stelzmann, allesamt Maler der sogenannten Leipziger Schule, die erklärten Helden vieler meiner Malerjahre. Unmotiviert quälte ich mich durchs Architekturstudium und zwei, drei Jahre in Hamburger Büros, nahm noch einen Schlenker über ein Lehramtsstudium für die Fächer Kunst und Spanisch, bis ich mich vollends zur Malerei bekannte.
2010 schloß ich mein Malereistudium an der Burg Giebichenstein in Halle an der Saale ab. In meinem Leipziger Atelier entwickelte ich über mehrere Jahre meine künstlerische Sprache weiter. 2022 beginnt eine neue Phase, meine Bildsprache verändert sich, historische Maltechniken kommen hinzu. Seit 2026 arbeite ich in meinem neuen Atelier in den Weinhügeln des Meißner Landes.
Meine Arbeiten reichen von Portraits und Figurenkompositionen bis zu Stadt- und Landschaftsbildern. Nach längeren Reisen nach Italien 2023/24, erweiterte ich mein Repertoire um Secco- und Freskomalerei. Diese Techniken zählen heute zu den seltensten und anspruchsvollsten. Ihre bemerkenswerte Beständigkeit und unverwechselbare Ästhetik verleihen ihnen eine Qualität, die sie deutlich von anderen Techniken der Wandmalerei unterscheidet.
Heiko Mattausch, 08/2026
Painting since early youth
Michelangelo, Tiepolo, Knoller — these are artists whose works I approach with joyful eyes. In reverence to the masters of epochs long past and guided by an enduring pursuit of artistic perfection, I feel particularly committed to the canon of Antiquity, the Renaissance and the Baroque. As I regard drawing as the foundation of all image-creating processes, I consider it the very essence of my work. First ideas take shape in my sketchbooks, while more precise formulations emerge as red chalk drawings. These form the point of departure for my scenic compositions.
Perhaps my studies in architecture in the mid- to late-1990s, followed by my study of Spanish and extended stays in Spain, left their mark on me. Yet these early detours could not alter my inner compass, which, since childhood, has pointed toward a different and inevitable path. In 2010 I completed my painting studies at Burg Giebichenstein University of Art and Design in Halle (Saale). In my Leipzig studio, I continued to develop my artistic language over the following years. In 2022, a new phase began: my visual language started to shift. Since 2026, I have been working in my new studio near Dresden.
My work ranges from portraits, figure compositions and scapes. After extended stays in Italy in 2023/24, I expanded my practice to include secco and fresco painting, techniques that today belong to the rarest and most demanding. Their remarkable durability and distinctive aesthetic give them a quality that clearly sets them apart from other approaches to mural painting.
